Sonntag, 23. Juli 2017

Kurztest Bresser Messier AC 102/460

Wieso habe ich mich für dieses Teleskop entschieden?

Mit einem Fernglas durch die Milchstraße zu wandern macht eine Menge Spaß! Durch das große Gesichtsfeld strahlen einem unzählige Lichtpunkte entgegen, die einem buchstäblich die Kinnlade nach unten klappen lassen.
Allerdings werden je nach Gewicht die Arme relativ schnell müde.

Mit einem Teleskop, dass auf einem stabilen Stativ steht, hat man dieses Problem nicht, allerdings hat man in der Regel ein viel kleineres Gesichtsfeld. Es sei denn, man greift zu einem Teleskop mit relativ kurzer Brennweite, und einem Öffnungsverhältnis von deutlich unter f/5. (*1)

Das Messier AC 102/460 hat ein Öffnungsverhältnis von f/4,5, und ist außerdem Leicht (2,8 kg) und Handlich. Dies waren für mich die Hauptgründe, die für dieses Teleskop sprachen. Ein handliches Teleskop, mit großem Gesichtsfeld für Milchstraßenspaziergänge und/oder Mondbeobachtungen beim Feierabendbier.

Unboxing – Das Auspacken

Für 259 € erhält man ein wertiges, und handliches Teleskop, dass in einer praktischen, schwarzen Schutzhülle verpackt ist. Als Zubehör erhält man zwei Verlängerungshülsen, um bei Bedarf die Brennweite ein wenig zu verlängern. Im „Normalbetrieb“ mit Zenitspiegel braucht man diese allerdings nicht. (*2)
Außerdem erhält man einen 1,25 Zoll Zenitspiegel, und ein 26 mm Okular. Beides habe ich noch nicht getestet, da ich einen 2 Zoll Zenitspiegel, und entsprechende Okulare besitze. Für eine Erstbeobachtung ist beides aber Erfahrungsgemäß ausreichend.
Wer das Teleskop für Planetenjagd und Detailbeobachtung am Mond einsetzen will, sollte allerdings noch ein Okular im Bereich zwischen 6 und 10 mm im Budget einplanen. (*3)
Abgerundet wird das Zubehör noch durch ein 6x30 Sucherfernrohr (*4) einer kleinen drehbaren Sternkarte (die mir persönlich aber für praxisgerechte Anwendung im dunkeln zu klein ist), und der tollen PC-Software Stellarium auf CD.
Noch erwähnenswert ist ein T-2 Gewinde über dass eine digitale Spiegelreflexkamera direkt an das Teleskop angedockt werden kann, was sicherlich nicht nur für astronomische Anwendungen interessant ist.


Passt auch auf einen kleinen Gartentisch! :)

Das Teleskop in der Praxis

Nach einigen Kurztests in den Tagen vorher bot sich in der Nacht zum 23.7. die Gelegenheit das Teleskop etwas ausführlicher zu testen. Die Milchstraße stand deutlich sichtbar am Nachthimmel, also Montierung aufgestellt, grob ausgerichtet, Teleskop draufgeschnallt, Zenitspiegel und 26 mm (2“) Okular rein, und los.
Eines gleich vorweg: Das Gesichtsfeld des von mir verwendeten Okulars ist definitiv zu groß für dieses Teleskop. Es bietet sich ein großes Gesichtsfeld, dass dem eines Fernglases nicht unähnlich ist, allerdings macht sich im Randbereich auch eine leichte Unschärfe bemerkbar. In der Bildmitte sind die Sterne allerdings wunderbar punktförmig, und auch die feinen Verästlungen zwischen den Milchstraßensternen sind wunderbar zu sehen.
Der blaurote Farbkontrast des Doppelsterns Albireo im Sternbild Schwan kommt ebenfalls wunderbar zur Geltung.
Eigentlich wollte ich meine Beobachtung auf die Milchstraße beschränken, ich entdeckte dann allerdings, dass Saturn von meinem Standort aus recht gut zu sehen ist. Ich war etwas skeptisch, was Saturn betraf, weil ich wenige Tage vorher Jupiter anpeilte, und ein wenig enttäuscht war. Es stellte sich aber schnell heraus, dass die Enttäuschung dem schlechten Seeing (Horizontnähe, hohe Schleierwolken) geschuldet war.
Im 8 mm (2“) Okular bot sich ein wunderbarer Anblick, auf das Ringsystem an dem ich mich fast nicht satt sehen konnte. Die Bildqualität empfand ich dabei sogar besser, als bei meinem 130/900 Newtonspiegel.
Dann wollte ich es wissen. Ich steckte ein 3 mm (1,25“) Okular ins Teleskop, womit sich rechnerisch eine Vergrößerung von 153-fach ergibt. Nun konnte ich sogar die Cassini-Teilung im Ringsystem erkennen! (Wir reden hier von einem knapp 5.000 km breiten Spalt in einer Entfernung von 1,4 Milliarden Kilometern!)


Im praktischen Einsatz mit der Bresser Wifi Cam (Test folgt) :)

Fazit

Für sein Geld bekommt man hier ein sehr gutes Teleskop, mit dem man viel Freude hat, wenn man keine Weltwunder erwartet. Empfehlen würde ich es für Hobbyastronomen, die bereits ein Teleskop besitzen, als Zweit- oder Reiseteleskop. Anfänger sollten sich vor dem Kauf an einen erfahrenen Hobbyastronomen wenden. Man braucht für den praktischen Betrieb eine Montierung, und auch der Einsatz der Verlängerungshülsen setzt ein wenig praktische Erfahrung voraus.
Ich freue mich schon darauf, es mal an der Sonne (!ACHTUNG! Verwendet dieses Teleskop niemals ohne geeigneten Sonnenfilter! Irreparable Augenschäden sind die Folge!) am Mond, oder Fotografisch zu verwenden.


(*1) Das Öffnungsverhältnis errechnet sich aus Brennweite/Öffnung. Teleskope mit einem Öffnungsverhältnis von f/5 bilden die goldene Mitte. Teleskope mit niedrigerem Öffnungsverhältnis sammeln mehr Licht und bieten ein größeres Gesichtsfeld, eignen sich daher eher für Deep Sky, während Teleskope über f/5 eher für Planeten und Mond geeignet sind, was aber natürlich nicht heißt, dass der Einsatzbereich total festgenagelt ist. ;)

(*2) Bei einem Kurztest mit der Bresser Wifi Cam musste ich beide Verlängerungshülsen verwenden um in den Focus der Kamera zu kommen, man sollte sie daher für den Fall der Fälle immer dabei haben.

(*3) Ja, ich habe ein 3 mm Okular zum testen verwendet. Das Scharfstellen mit so einem Okular ist aber schon ganz schön tricky, weswegen ich es als Zweitokular eher nicht empfehlen würde, sondern eher für jemanden, der wirklich alles aus seinem Teleskop herauskitzeln will. ;)

(*4) Ich persönlich konnte mich mit diesem Sucherfernrohr überhaupt nicht anfreunden. Nach etwa 15 Minuten habe ich genervt aufgegeben, es aufs Teleskop einzustellen. Ich habe stattdessen das 8x50 Sucherfernrohr meines neuen 152/760 Refraktors verwendet, den ich hoffentlich auch bald mal ausgiebig testen kann. :)

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